Praxistipps

Praxistipps für Unternehmen in der Krise 

"Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" (ESUG)

Das "Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" (ESUG) ist am 01.03.2012 in Kraft getreten, mit dem z.B. der Zugang zur Eigenverwaltung erleichtert wird, Gläubiger und Antragsteller stärkeren Einfluss auf die Auswahl eines (vorläufigen) Insolvenzverwalters oder Sachwalters bekommen und Eingriffe in die Rechte von Anteilsinhabern möglich werden. 
 
Das "Schutzschirmverfahren" (§§ 270 a, 270 b InsO) bietet sanierungsfähigen und sanierungswürdigen Unternehmen nun die Möglichkeit, eine Sanierung in Eigenverwaltung mit Unterstützung eines (vorläufigen) Sachwalters unter einem gerichtlichen Schutzschirm vorzubereiten, ohne dass Unternehmer/Geschäftsführer die vollständige Kontrolle über das Unternehmen und das Verfahren verlieren. Hierzu müssen, neben weiteren Voraussetzungen, insbesondere eine drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO) oder Überschuldung (§ 19 InsO) vorliegen. Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO) darf jedoch nicht eingetreten sein.
 
Unternehmen in der Krise, deren Cash noch nicht vollständig verbrannt ist, deren Lieferanten- und Kundenbeziehungen noch intakt sind, deren Rechnungswesen noch auf dem Laufenden ist, deren verantwortliche Personen noch das Vertrauen der Kapitalgeber besitzen und deren Leitung frühzeitig die psychologischen Hürden einer Antragstellung überwindet, eröffnen sich hiermit hervorragende Sanierungschancen. "Der frühe Vogel fängt den Wurm", so kann man es salopp beschreiben.
 

Praxistipps für Ihre Finanzkommunikation 

Kommunizieren Sie mit Ihren Kapitalgebern. Damit erzielen Sie positive Wirkung.

  • Machen Sie sich kundig in Bezug auf die Aufgaben/Inhalte von Basel III, KWG, BaFin und MaRisk.  Sie werden Ihre Kundenberater und deren Fragen besser verstehen. 
  • Ihre Kundenberater verstehen Sie und Ihr Geschäft. Die entscheiden jedoch nicht alleine. Wichtig ist, dass die Analysten der sogenannten Marktfolge ihre Zustimmung geben. Vier-Augen-Prinzip.
  • Wie überzeugt man Analysten? Nur durch nachvollziehbare Fakten! Nicht durch Versprechungen, ungestützte Hoffnungen oder Erwartungen. Die kennen Ihre Branche und die Risiken. Aus Zahlen!
  • Gehen Sie davon aus, dass Banken (fast) alles über Ihr Unternehmen und Sie wissen. Die Auswertung von Kontobewegungen ist schneller, als Ihr Reporting es jemals sein kann.
  • Kommunizieren Sie die Entwicklungen und Zahlen Ihres Unternehmens offen, pünktlich und zuverlässig. Planabweichungen sind absolut normal, solange sie plausibel erklärbar sind.
  • Schicken Sie nicht nur Papier. Suchen Sie proaktiv das Gespräch mit Banken und Kreditversicherern.
  • Sammeln Sie Rating-Punkte, indem Sie eine vernünftige Liquiditätsplanung aufbauen, die sich schlüssig aus den übrigen Planungen ableiten lässt. Sorgen Sie für einen tagesaktuellen Forecast.
  • Überziehen Sie nie, ohne vorherige Abstimmung mit den Banken, Ihre Linien. Das ist „pures Gift“ für die Geschäftsbeziehung. Da gehen bei den Analysten sofort alle roten Lampen an.
  • Rechtzeitige externe Beratung hilft Fehler zu vermeiden und schafft Vertrauen.